Unterwegs im Koreanischen
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KDrama nach Themen: Beispiele für KMovie

Dark Nuns

Dark Nuns ist kein Horrorfilm. Nicht, weil er scheitert – sondern weil er sich entzieht. Er verweigert das, was das Genre verspricht: Eskalation, Angst, Erlösung. Er verweigert den Dämon als Spektakel, den Exorzismus als Triumph, den Glauben als Lösung. Stattdessen zeigt er eine Praxis ohne Ziel, Rituale ohne Wirkung, Handlung ohne Aussicht. Dieser Film will nicht erschrecken. Er will ermüden. Seine Strenge ist keine ästhetische Pose, sondern eine Entscheidung.

 

Dark Nuns arbeitet nicht mit Spannung, sondern mit Dauer. Nicht mit Angst, sondern mit Wiederholung. Exorzismus erscheint hier nicht als dramatischer Höhepunkt, sondern als körperliche Arbeit: monoton, erschöpfend, unabschließbar. Rituale halten etwas in Schach – mehr nicht. Sie erklären nichts. Sie erlösen niemanden. Der Film zeigt den Exorzismus weniger als spirituellen Triumph, sondern als erschöpfende, physische Schwerstarbeit gegen eine unnachgiebige dunkle Macht. 

 

Song Hye‑kyos Spiel folgt dieser Logik kompromisslos. Ihre Figur entwickelt sich nicht. Sie zweifelt nicht sichtbar. Sie bricht nicht zusammen. Sie steht. Sie hält aus. Sie funktioniert. Ich sehe darin kein Mangel an Emotion, sondern eine Absage an Psychologisierung. Diese Figur ist kein Identifikationsangebot, sondern ein Körper im Widerstand – gegen eine Struktur, die sich nicht bewegt.

 

Dark Nuns zeigt Frauen, die handeln – ohne zu gewinnen. Die Verantwortung übernehmen – ohne Sinnstiftung. Die Räume betreten – ohne sie verändern zu können. Es gibt hier keine bessere Kirche, keine neue Ordnung, keine Erlösung durch Solidarität. Der Film verweigert selbst diese Hoffnung. Das Ende ist folgerichtig leer. Nicht offen, nicht ambivalent – leer. Es schließt nichts ab, weil es nichts abzuschließen gibt. Das Böse bleibt. Die Institution bleibt. Die Rituale bleiben. Und mit ihnen die Frage, warum man dennoch weitermacht.

 

Dark Nuns ist ein Film über Handlung ohne Hoffnung. Über Glauben ohne Transzendenz. Über Rituale ohne Erlösung.

 

Dass er als „misslungen“ wahrgenommen wird, sagt weniger über seine Qualität als über die Erwartungen, die man/frau an ihn heranträgt. Wer Horror sucht, wird nichts finden. Wer Trost erwartet, ebenso wenig. Dieser Film gibt nichts zurück.

 

Vielleicht ist genau das sein radikalster Zug.

 

Vielleicht wird Dark Nuns heute kaum verstanden, weil er an etwas erinnert, das wir verlernt haben: Dass nicht jede Geschichte Sinn stiften muss. Dass nicht jede Handlung heilt. Und dass es Filme geben darf, die nichts versprechen – außer der Zumutung, hinzusehen. In einer Kultur, die ständig erklärt, erlöst und optimiert, wirkt so ein Film fremd. Nicht, weil er zu wenig sagt – sondern weil er sich weigert, mehr zu sagen, als er verantworten kann.

 

Letztlich lässt sich die Zunahme koreanischer Filme wie Dark Nuns oder Pagwa (auch 2025), die sich bewusst den Erwartungen entziehen, als Ausdruck eines künstlerischen Wandels deuten: Das koreanische Kino nutzt das Genre nicht mehr als Schablone, sondern als Experimentierfeld für Fragen nach Macht und Ohnmacht. Indem Regisseur*innen Erlösung und klassische Dramaturgie auf der Strecke lassen, schaffen sie Werke, deren radikaler Realismus und Mut zur Ungewissheit das koreanische Kino aktuell so international relevant machen.

 

Dark Nuns ist international bedeutsam als Zeichen eines Kinos, das sich traut, Genre zu verweigern – und dennoch gesehen wird. Er steht nicht im Zentrum des globalen Diskurses, aber er gehört zu den Filmen, an denen sich zeigt, wie weit koreanisches Kino bereit ist zu gehen, auch auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden.

 

Daher das Prädikat "besonders wertvoll".

 검은 수녀들 - Geomeun Sunyeodeul

Lit.: „Schwarze Nonnen“ 

 

2025, ca. 115 Minuten

 

Hauptdarsteller*innen:

- Song Hye-kyo

- Jeon Yeo-been

- Lee Jin-wook 

- Heo Jun-ho

- Moon Woo-jin 

 

Plot:

Der junge Hee‑joon zeigt Symptome, die von einigen als dämonische Besessenheit gedeutet werden, während die Kirche auf medizinische Erklärungen setzt. Schwester Junia ist überzeugt, dass ein Exorzismus notwendig ist, obwohl ihr als Nonne jede offizielle Handlung untersagt ist. Gemeinsam mit der jüngeren Schwester Michaela überschreitet sie kirchliche Grenzen und setzt ein verbotenes Ritual in Gang.
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