KDrama nach Themen: Crime & Politics
Zunächst meine Reaktion auf Staffel 1. Dann, weiter unten, meine Eindrücke zu Staffel 2.
Staffel1:
"Made in Korea" lässt mich ratlos und etwas enttäuscht zurück.
Ich wollte diese Serie lieben. Alles an "Made in Korea" – die Besetzung, die Ausstattung, dieser kühle Prestige-Look – signalisierte mir: Hier kommt das nächste große Ding. Doch während des Schauens schlich sich ein Gefühl ein, das ich oft bei Produktionen habe, die sich ihrer eigenen Bedeutung zu sicher sind. Die Serie schreit „Meisterwerk“, vergisst dabei aber, mich als Zuschauerin dramaturgisch an die Hand zu nehmen.
Für mich fühlten sich die sechs Folgen wie eine strukturelle Sackgasse an:
Einerseits waren sie mir zu kurz, um diese Figuren wirklich als Menschen im System zu begreifen – mit all ihren Widersprüchen und dem moralischen Ringen, das ich so gerne gesehen hätte. Andererseits waren sie mir zu lang, um als reduzierter, kompromissloser Spionage-Thriller durchzugehen. Die Serie will beides und verliert mich genau in der Mitte.
Was mich besonders enttäuscht hat: Vieles wird nur behauptet, statt erzählt. Freundschaften wirken wie bloßes Setup, die Vietnam-Referenz bleibt eine dekorative biografische Kulisse, und die Geschwister-Dynamik ist eher eine dramatische Setzung als ein gefühlter Konflikt. Ich sah Figuren, die wie Chiffren für Macht und Verrat über den Bildschirm geschoben wurden, aber ich konnte sie nicht „erfahren“. Alles wirkt wie dramaturgisches Inventar – vorhanden, aber nicht bewohnt.
Mein persönlicher Ankerpunkt war der Staatsanwalt. Inmitten all der glatten Oberflächen war er für mich die Ausnahme und genau deshalb so wertvoll. Er wirkte auf mich nicht wie eine Drehbuch-Funktion, sondern wie ein Mensch, der denkt, zweifelt und tastet. Dass er für viele Kritiker „aus dem Rahmen fällt“, empfinde ich nicht als Fehler. Im Gegenteil: Er ist für mich das Symptom einer verpassten Chance. Er gehört in eine Version von "Made in Korea", die systemische Grauzonen ernst nimmt. Er war das „Was wäre wenn“, das mich bei der Stange gehalten hat.
Hyun Bin und Jung Woo-sung tragen die Serie mit ihrer bloßen Präsenz, aber sie (und Szenenbild, Kamera und Musik) allein können die fehlende Dramaturgie nicht ersetzen. Besonders bei Jung Woo-sung hatte ich das Gefühl, er spiele in einem viel komplexeren, größeren Projekt mit, das im Schneideraum verloren ging. Ohne diese Star-Power hätte ich wohl nach der Hälfte abgeschaltet.
Die Enttäuschung erinnert mich ein bisschen an die Disney Produktion „Tempest“. Beides sind unterschiedliche Formen von Scheitern – aber Tempest wirkt im Rückblick mit seinem seltsamen Ende fast ehrlicher, weil man/frau spürt (zu spüren meint), dass da zumindest ein innerer Konflikt war.
"Made in Korea" verliert sich schon vorher, weil es sich nie festlegt.
"Made in Korea" fühlt sich letztlich für mich an wie das „Sparpaket zum Blockbuster“: maximaler Aufwand bei minimaler erzählerischer Konsequenz. Als Film hätte die Aussage an Schärfe gewonnen, als Langserie hätte die Ambivalenz atmen können. So bleibt bei mir der Eindruck eines Projekts, das sein eigenes Potenzial zwar kennt – ihm aber konsequent ausweicht.
Nichts Halbes. Nichts Ganzes. Ein schöner, aber leerer Raum.
P.S.: Der Regisseur Woo Min-ho ist vor allem als Filmemacher bekannt – und genau so fühlt sich "Made in Korea" für mich auch an: wie ein Film, der auf Serienlänge gezogen wurde, ohne die erzählerische Freiheit des Formats wirklich zu nutzen.
Staffel 2
Staffel 1 hatte mich ratlos und enttäuscht in einem raffiniert ausgeleuchteten, aber leeren Raum zurückgelassen, Staffel 2 knüpft daran unmittelbar an, legt aber im Verlauf immerhin etwas an Erzählkraft zu. Ein Serienvergnügen war es trotzdem nicht. Ich habe letztlich aus Interesse an der Entwicklung des KDramas an sich weitergeschaut…
Das Projekt atmet weiterhin jede Sekunde den edlen Prestige-Look des modernen High-Budget-TVs, besitzt dabei aber nur die erzählerische Integrität eines Fast-Food-Actionfilms. Stil schlägt Substanz – und das historische Gewebe einer ganzen Nation wird hier zum reinen Spielplatz für visuelle Effekte degradiert.
Was mich in den neuen Folgen so ärgert, ist eine unübersehbare erzählerische und politische Feigheit. Wenn ein Werk eine Epoche optisch so detailgetreu nachbaut – bis hin zu den Abzeichen der KCIA und den Machtverhältnissen von 1979 –, dann ist die Umbenennung des realen Diktators Chun Doo-hwan in „Hwang Dae-shik“ kein künstlerischer Kniff. Als würde man in einem Film über Nazideutschland Joseph Goebbels plötzlich Friedrich Maier nennen. Was soll das? Ok, es ist Schadensbegrenzung, um rechtlichen Risiken im heutigen Südkorea aus dem Weg zu gehen. Aber, sorry, für mich funktioniert das nicht. Nicht bei solch dramatischen realen historischen Ereignissen. Entweder richtig oder ganz ohne diese direkten, expliziten historischen Bezüge. Aber nicht so etwas… Da wird Historie instrumentalisiert als reiner, unverbindlicher Content-Raub. Geht es anders nicht? (Und war es das für den erzählerischen Gewinn wert?)
Gleichzeitig entlarvt sich die Serie mit einem anachronistischen Alibi-Feminismus. Mitten in diesen authentischen 70er-Jahre-Look eine „erste“ weibliche Staatsanwältin zu setzen (obwohl die erste Frau real erst 1982 in diese Position kam), ist reines, kalkuliertes Checkbox-Denken für das globale Streaming-Publikum. Statt zu zeigen, wie schmerzhaft sich Frauen damals gegen ein ultrapatriarchalisches System durchsetzen mussten, bekommen wir eine dekorative (vorgezogene) Modernisierung. Das ist nicht progressiv, das verharmlost die brutale historische Realität dieser Epoche.
Kritisierte ich in Staffel 1 noch die glatten Oberflächen, so ist Hauptdarsteller Hyun Bin nun endgültig zur bloßen Chiffre erstarrt. Jede Einstellung, jeder Anzug, jede Zigarette im Kugelhagel wirkt wie für ein Hochglanz-Magazin inszeniert. Dadurch verliert sein Charakter jede moralische Ambivalenz. Er ist kein skrupelloser Akteur im Geheimdienst-Sumpf mehr, sondern ein Popstar, dem die Kamera huldigt. Dem Noir-Genre wird damit ein Stück weit die Seele genommen – denn Noir lebt von Schmutz und moralischem Verfall, nicht von perfektem Hair-Styling.
Jung Woo‑sung ist die einzige Figur sichtlich in Bewegung. In Staffel 2 tritt er deutlich ruhiger und um ein paar Pfunde leichter auf. Natürlich ist er noch derselbe, aber eben auch nicht. Er hat sich verändert. Das, was geschehen ist, bis hin zu seiner Zeit im Gefängnis, das ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen.
Das Tragische ist: Die Substanz wäre da gewesen. Das moralische Patt zweier Männer, die das Etikett des Patriotismus als Freibrief für ihre persönlichen Ziele nutzen und am Ende vom System ausgespuckt werden, hätte die Tragkraft für ein echtes Meisterwerk gehabt. Doch die Serie weicht ihrem eigenen Potenzial erneut konsequent aus. Man spekuliert obendrein darauf, dass das internationale Publikum die historischen Dreistigkeiten nicht bemerkt (oder dass es ihm schlicht egal ist) und sich gerne mit coolen Bildern abspeisen lässt. Am Ende bleibt da bei mir das bittere Gefühl, als Zuschauerin nicht ernst genommen zu werden.
Mein Eindruck: Maximaler Aufwand für eine starke ästhetische Wirkung, minimale erzählerische Konsequenz.
메이드 인 코리아 - Meideu in Koria
Lit.: Made inKorea (anglizistisch)
2025, 6 Episoden / 2026, 6 Episoden
- Jung Woo‑sung
- Woo Do‑hwan
- Cho Yeo‑jeong
- Seo Eun‑soo
- Won Ji‑an
Plot:
Made in Korea spielt in den 1970er‑Jahren und folgt dem Machtkampf zwischen zwei Männern auf entgegengesetzten Seiten des Systems. Baek Ki‑tae ist ein ehrgeiziger Geheimdienstagent, der im Schatten politischer Umbrüche ein Netzwerk aus Korruption, Schmuggel und Einfluss aufbaut. Ihm gegenüber steht Staatsanwalt Jang Geon‑young, der entschlossen ist, die Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und Geheimdienst offenzulegen. Während sich ihre Wege kreuzen, geraten Loyalität, Moral und persönlicher Ehrgeiz zunehmend in Konflikt – in einem System, das Erfolg belohnt und Zweifel bestraft.