Unterwegs im Koreanischen
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KDrama nach Themen: Crime and Politics

The Apartment Job

Die südkoreanische Crime-Dramedy-Serie „The Apartment Job“  schafft es, Südkoreas größte Obsession – den Immobilienmarkt und das Leben in gigantischen Apartment-Komplexen – direkt am Schlafittchen zu packen. Es ist eine brillante Mischung aus rasantem Heist-Krimi, absurder Nachbarschafts-Satire und tiefem moralischen Ernst.

 

Schon der Titel birgt ein geniales phonetisches Meisterwerk: Im Koreanischen bezeichnet der Originaltitel 아파트 (Apateu) den kollektiven Traum vom Apartment-Eigenheim. In der schnellen Alltagsaussprache wird das kurze „u“ am Ende jedoch fast komplett verschluckt. Was übrig bleibt, klingt für das Ohr wie „Apate“ – und damit ist bereits der Titel gewissermaßen ein augenzwinkernder Geniestreich: in der griechischen Mythologie ist mit Apate die Göttin der Täuschung und des Betrugs bezeichnet. Genau auf dieser Schnittstelle (und unter der schützenden Hand dieser Göttin) tanzt die Serie.

 

Das Herzstück der Serie ist die faszinierende Wandlung des Protagonisten Park Hae-gang, grandios verkörpert vom schauspielerischen Chamäleon Ji Sung. Er zieht eigentlich aus, um genau das zu tun, was man an Koreas Klassengesellschaft kritisieren muss: Er will das System für sich ausnutzen. Doch im Laufe der Geschichte erleben wir eine klassische Wandlung vom Saulus zum Paulus.

 

Besonders stark inszeniert ist dabei sein Gegenpart: Eine Bewohnerin im Apate-Komplex (brillant: Moon So-ri!) fungiert als die unnachgiebige (nervige) moralische Instanz der Serie. Mit einer wunderbaren, einnehmenden Präsenz sieht sie ihm immer wieder auf die Finger und zwingt ihn (und uns) zur Reflexion. Durch sie wird der Kontrast zwischen den sozialen Hierarchien – Eigentümer*innen gegen Mieter*innen, Korruption in der Hausverwaltung gegen die nackte Existenzangst – schmerzhaft real. Es ist eine Gratwanderung zwischen bitterer, trauriger Realität und verspielter Satire.

 

Ein weiteres Highlight ist das Thema Familie. In Korea traditionell ein unantastbares Heiligtum, startet die Familie hier als komplett „Fake“ (insbesondere im Kampf um den Posten des Bewohnervertreters zusammen mit Ha Yoon-kyung). Doch unter dem Strich entwickelt sich dieses Konstrukt zu etwas so Echtem und Wahrhaftigem, wie man es sich im echten Leben nur wünschen kann. Da herrscht eine (wie ich finde) phantastische Chemie zwischen den auf den Punkt besetzten „Familienmitgliedern“.

 

Eingebettet ist das alles in den ganz normalen, fast schon erstickenden „Apate“-Nachbarschaftsdruck, den alltäglichen Wahnsinn im Apate-Komplex samt seiner skurrilen Eigentümerversammlungen.

 

Selbst das Gangster-Milieu liefert eine tiefgründige Parallele zur Gesellschaft: Interessanterweise besitzt der abdankende, alte Gangsterboss noch so etwas wie Prinzipien und Ehre. Der „neureiche“ Counterpart hingegen kennt überhaupt keine Grenzen mehr – eine treffende Metapher für den modernen, rücksichtslosen Kapitalismus.

Viele narrative Fäden – anfangs ist da ein Hauch Geduld gefragt – fügen sich sukzessive in ein buntes Gesamtbild perfekt zusammen. Die Serie schafft es, selbst das scheinbar Banale – wie ein Eltern-Kinder-Event im Kindergarten – zu nutzen, um ernste Gesellschaftsthemen verspielt und mit einem Augenzwinkern vorzuführen.

 

Ich meine: erfrischend, heiter, hochspannend und von einer unerwarteten Tiefgründigkeit. Prädikat wertvoll dafür, wie hier mit Herz und Verstand und ein paar platzierten Sidekicks die Balance zwischen absurder Comedy und trauriger Realität gehalten wird!

아파트 – Apateu

Lit: Apartment / Das Apartment

 

2026, 12 Episoden

 

Hauptdarsteller*innen:

- Ji Sung

- Ha Yoon-kyung

- Park Byung-eun

- Moon So-ri

- Kim Won-hae

- Baek Hyun-Jin

 

Plot:

Der ehemalige Gangsterboss Park Hae-gang gerät in finanzielle Bedrängnis: Er benötigt dringend eine gigantische Summe Geld, um eine für ihn väterliche Figur aus dem Milieu zu retten. Als er erfährt, dass im milliardenschweren Instandhaltungsfonds eines exklusiven, neu gebauten Apartment-Komplexes ein Vermögen schlummert, schmiedet er einen gewagten Plan. Er schleust sich, unterstützt von einer bunt zusammengewürfelten, inszenierten „Familie“, in die Wohnanlage ein und kandidiert für das Amt des Vorsitzenden der Bewohnervereinigung, um unbemerkt an die Rücklagen zu kommen.

Doch je tiefer Hae-gang in den scheinbar perfekten Alltag der Nachbarschaft eintaucht, desto mehr gerät sein Coup ins Wanken. Er stößt auf ein Sumpfgebiet aus tief verwurzelter lokaler Korruption, skrupellosen Bauunternehmern und bitteren sozialen Hierarchien. Ehe er es sich versieht, muss sich der skrupellose Kriminelle entscheiden, ob er sein Ding durchzieht oder unfreiwillig zum schützenden Helden für die eigenwillige Nachbarschaft wird.

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