KDrama nach Themen: Beispiele für KMovie
The Battle: Roar to Victory verweigert sich der einfachen Heldenverehrung und will mit Hollywood-Blockbustern nicht verglichen werden. Er ist vielmehr ein Denkmal für das Kollektiv – für eine Identität, die aus dem Widerstand von Menschen erwuchs, die eigentlich gar keine Soldaten waren.
Um diesen Film wirklich zu „fühlen“, muss man verstehen, in welcher Welt die Charaktere lebten. Seit der offiziellen Annexion 1910 war Korea eine japanische Kolonie unter eiserner Militärherrschaft. Doch der Wendepunkt kam genau ein Jahr vor den Ereignissen des Films:
Am 1. März 1919 verlasen Aktivisten in Seoul eine Unabhängigkeitserklärung, was die landesweite Samil-Bewegung auslöste. Bis zu zwei Millionen Menschen demonstrierten über Monate hinweg friedlich für ihre Freiheit. Die Antwort der Kolonialmacht war jedoch blanker Terror: Japanische Truppen reagierten mit Massenverhaftungen, Folter und grausamen Massakern. Schätzungen gehen von bis zu 7.500 Toten und über 46.000 Inhaftierten aus.
Das KMovie setzt 1920 genau dort an, wo diese traumatische Erfahrung in eine neue Phase mündete. Aus der Verzweiflung über die gescheiterten friedlichen Appelle an die Weltgemeinschaft erwuchs die Überzeugung, dass die Freiheit nur noch mit der Waffe in der Hand erkämpft werden konnte. Der Film zeigt uns den Moment, in dem aus Bauern und Jägern eine verzweifelte, aber entschlossene Unabhängigkeitsarmee wurde.
Die Miliz besteht aus reformierten Banditen, Bauern, Jägern und Händlern. Und: Frauen waren integraler Bestandteil! Sie waren nicht nur Kuriere im Hintergrund, sondern standen als Kämpferinnen an der Front. Dass sie die strikten gesellschaftlichen Rollen jener Zeit aufbrachen, macht das Thema des „Volksaufstands“ erst richtig greifbar.
Die Bilder sind gewaltig, aber sie sind kein Selbstzweck. Die zerklüfteten Schluchten von Bongo-dong werden fast schon zu einem eigenen Charakter. Um das zu verstehen, muss man die Bedeutung des Tigers für Korea kennen: Der Tiger ist das nationale Symbol des Landes, und die Form der koreanischen Halbinsel wird oft als ein springender Tiger dargestellt.
Im Film wird diese Symbolik ganz konkret und grausam eingeführt in einer Szene mit dem japanischen Kommandanten und einem erlegten Tiger. Es ist eine bewusste Metapher für den Versuch Japans, die koreanische Identität und den Geist des Widerstands (den Tiger) physisch und kulturell zu vernichten.
Doch in der entscheidenden Schlacht wendet sich das Blatt: Das „Tal des Tiger-Rachens“ ist nicht nur ein Name, sondern eine taktische Falle. Die Unabhängigkeitskämpfer nutzen ihre überlegene Kenntnis der heimischen Berge, um die technologisch überlegene japanische Armee in die engen, unwegsamen Schluchten zu locken. Dort, im unwegsamen Gelände, verliert die moderne Militärmaschinerie ihre Kraft. Es ist, als ob das Land selbst – der koreanische Tiger – sein Maul schließt und die Invasoren verschlingt. Die Berge sind hier nicht nur Kulisse, sondern die tödlichste Waffe des Widerstands.
Ein Wort zum Stil. Technisch gesehen ist der Film ein modernes KMovie-Powerhouse. Die Action ist brillant choreografiert, doch die Gewalt ist drastisch und ungeschönt – sie macht die Brutalität der Besatzungszeit fast physisch spürbar. Dass der Regisseur Won Shin-yeon diese Härte gelegentlich mit fast schon slapstickartigem Humor bricht, mag für westliche Sehgewohnheiten disharmonisch wirken. Doch dieser abrupte Wechsel der Emotionen ist ein bekanntes Stilmittel, um das Unerträgliche überhaupt aushaltbar zu machen.
Auch die Darstellung der japanischen Gegner wirkt auf den ersten Blick einseitig und fast seelenlos. Doch man muss verstehen, was hier eigentlich gezeigt wird: Diese Figuren repräsentieren eine bis heute tief sitzende kollektive Wunde im kulturellen Gedächtnis Koreas. Sie hat im „Han“ eine eigene Ausdrucksform gefunden – ein Gefühl von aufgestautem Leid, Trauer und dem brennenden Verlangen nach Gerechtigkeit, das nie ganz aufgelöst werden konnte.
Das Trauma der Demütigung und politischen Entmündigung durch die Kolonialherrschaft blieb im Kern ungeheilt, da unmittelbar nach der Befreiung der Korea-Krieg und die Teilung des Landes folgten. Ein Volk wurde zum Spielball des Kalten Krieges instrumentalisiert, bevor es seine Wunden aus der Besatzungszeit versorgen konnte. Die fast karikaturhafte Bösartigkeit der Antagonisten im Film ist also weniger eine erzählerische Schwäche als vielmehr ein Spiegel dieses generationenübergreifenden Schmerzes.
Der beachtliche Erfolg von The Battle: Roar to Victory in Südkorea – über 4,7 Millionen Zuschauer*innen – war kein Zufall. Gepusht wurde dies noch durch das Timing. Der Release am 7. August 2019 passte zum koreanischen Befreiungstag am 15. August. In einer Phase, in der die politischen und wirtschaftlichen Spannungen zwischen Korea und Japan durch den damaligen Handelsstreit zudem massiv zunahmen, traf das Werk einen tief sitzenden patriotischen Nerv.
Mein Fazit
Gibt es Patriotismus? Klar. Pathos? Jede Menge. Aber wer über diese Genre-Konventionen hinwegsieht, findet eine kraftvolle Verneigung vor einer unbeugsamen kollektiven Identität – vor der
menschlichen Identität im Widerstand. Der Film erinnert daran, dass Geschichte nicht nur von Generälen geschrieben wird. Es sind die vielen Einzelnen, die bereit sind, für ihre Freiheit
einzustehen.
봉오동 전투 - Bong-odong jeontu
Lit.: Die Schlacht von Bongo-dong
2019, 134 Minuten
Hauptdarsteller*innen:
- Yoo Hae-jin
- Ryu Jun-yeol
- Jo Woo-jin
- Kazuki Kitamura
- Hiroyuki Ikeuchi
- Kotaro Daigo
- Go Min-si
- Park Ji-hwan
- Shim So-young
- Sung Yu-bin
- Park Hoon
- Park Hee-soon
- Choi Min-Sik