KDrama nach Themen: Zeit und Raum sind relativ
Ein vielversprechender Start für „Spooky in Love“, eine gute Chemie im Hauptcast und eine wunderbare Park Eun-bin mit Handschuhen – aber ohne die Hauptdarstellerin hätte ich diese Serie ehrlich gesagt nicht zu Ende gesehen. Und ich nehme es vorweg: Selten habe ich so viel vorgespult. (Das ist eigentlich nicht meine Art. Und ich will es mir nicht angewöhnen…)
Dass vertraute Plotthemen neu erzählt werden, finde ich nicht verwerflich, so ist das Leben. Wer jedoch glaubt, allein durch eine dichte Aneinanderreihung vielversprechender Plotbausteine ein gutes K-Drama basteln zu können, der irrt. Für eine 12-Episoden-Serie war das einfach ein bisschen viel und dafür zu schnell – und ich sage mal „lieblos“ – heruntergespult.
Geisterhilfe bei der Falllösung (Fluch und Segen zugleich), Familiengeheimnisse, Kindheitstraumata, Geschwisterrivalität, die Adoptierten als Opfer, Rache, eine Herztransplantation und Jaebeol-Erbstreitigkeiten bis hin zur Geldwäsche per Kunststiftung – ja, mit solchen Themen sind K-Dramen gerne reich bestückt. Aber dann werden sie üblicherweise über 20, 50 oder gar 100 Folgen in jeder emotionalen Klaviatur durchexerziert. Makjang? Ja, gerne! Aber bitte zum Mitfiebern und nicht zum oberflächlich nacherzählten Drüberscannen. Wenn es so komprimiert wird, funktioniert es für mich einfach nicht. Ich komme nicht nah genug ran an die Protagonist*innen und die Nebenstränge.
Emotional war ich daher schnell draußen. Hinzu kam, dass vieles zu unbedacht runtererzählt wurde.
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ACHTUNG, SPOILERGEFAHR FÜR DEN FOLGENDEN ABSATZ!
Ein paar Ärgernisse am Wegesrand will ich hier nicht unerwähnt lassen: Gleich zwei Frontalunfälle zwischen Auto und Mensch – und beide Male ohne ernstzunehmende Folgen außer ein bisschen Koma und Humpeln. Ganz ohne Schrammen oder Brüche? Einmal lasse ich das durchgehen, aber zweimal strapaziert die Glaubwürdigkeit massiv.
Auch die Szenen in Singapur wirken psychologisch unstimmig: Kaum jemand, der so enorm unter Druck an einer existenziellen Klippe steht und keine Gewissheit über die Zukunft hat, geht tiefenentspannt auf den Partner zu, der gutgelaunt und optimistisch (und zudem völlig überraschend) daherspaziert kommt – inklusive in dem Kontext völlig deplatziertem Shoppingspaß mit Romantic Vibes vor exotischer Kulisse. Schön wär’s. Aber mal ehrlich…
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Ich möchte als Zuschauerin gerne ernst genommen werden. Dies und noch manches mehr wurde nach meinem Empfinden doch ziemlich glattgebügelt.
Warum habe ich dann überhaupt geschaut? Nun, wegen Park Eun-bin. Ich schätze sie in ihrem Schauspiel sehr und prinzipiell auch hier (für die oft überraschend banalen Dialoge kann sie ja nichts).
Cha Mi-kyung hat ebenfalls für Sternstunden gesorgt: Sie presste als die Großmutter des Staatsanwalts durch ihre starke Präsenz aus ihrer kleinen Nebenrolle Erstaunliches heraus. Auch Yang Se-jong bin ich dankbar für seinen spürbaren Einsatz, ein Maximum aus seiner Rolle herausholen zu wollen. Er bemüht sich sichtlich um eine charmante Balance, muss aber – genau wie der Rest des Casts – permanent gegen die Schwächen des Skripts anspielen.
Der Rest bleibt nach meinem Empfinden leider (da ihnen dazu eigentlich kein Raum eingeräumt wird) eher Mittelmaß und weit hinter den eigentlichen KDrama-Möglichkeiten zurück. Selbst die Geister-Ebene wirkt recht weichgespült.
So viel Kritik… Warum erwähne ich die Serie dann überhaupt in meiner Sammlung? Wenn ich ehrlich bin, dient mir „Spooky in Love“ vor allem als Aufhänger, um zu diesem Thema Alternativen zu
empfehlen, die zu diesem Themenfeld/Genre nach meiner Einschätzung mehr Serienvergnügen und Substanz geboten haben:
Wofür ich Spooky in Love wirklich dankbar bin: ich habe mich direkt danach daran gemacht „The Master’s Sun“ nach einigen Jahren nun noch einmal anzusehen. Danke auch dafür! Was für eine Freude: die kantigen (auch Neben-) Charaktere, die atmosphärische Inszenierung, die klare Handschrift dabei…
Für "Spooky in Love" komme ich zu dem Schluss, dass die Produktion ein "KDrama-Kind" einer Zeit ist, in der das KDrama ein bisschen in einer Identitätskrise steckt. (Ist ja oft so, wenn man/frau Wachstumsschübe integrieren muss...) Mal sehen, wohin das weiter führt.
오싹한 연애 - Ossakhan Yeonae
Lit: Schaurige Liebe / Gruselige Romanze
2026, 12 Episoden
Hauptdarsteller*innen:
- Park Eun-bin
- Yang Se-jong
- Ong Seong-wu
- Jo Hye-joo
Plot:
Die wohlhabende Hotel-Erbin und CEO Cheon Yeo-ri hütet ein düsteres Geheimnis: Seit einem traumatischen Erlebnis besitzt sie die Fähigkeit, die Geister von Menschen zu sehen, die eines unnatürlichen Todes gestorben sind. Um die Geisterwelt auszublenden und niemanden zu gefährden, meidet sie jeglichen zwischenmenschlichen Kontakt – denn jeder, der ihre Hände berührt, wird unfreiwillig mit ihrer übersinnlichen Gabe infiziert.
Ihre selbstgewählte Isolation gerät ins Wanken, als sie auf den unbestechlichen und ehrgeizigen Staatsanwalt Ma Gang-wook trifft. Gang-wook rollt mit Vorliebe ungelöste Kriminalfälle auf. Durch eine Reihe skurriler und unvorhersehbarer Ereignisse sind die beiden gezwungen, eine Art Partnerschaft einzugehen. Während Yeo-ri mithilfe der Geisterwelt Details erfährt, die den Lebenden verborgen bleiben, nutzt Gang-wook seine professionellen Möglichkeiten, um die Täter dingfest zu machen. Aus dem Zweckbündnis zur Verbrecherjagd entwickelt sich schnell eine hochexplosive und emotionale Dynamik, bei der nicht nur Geister, sondern auch tiefe Familiengeheimnisse ans Licht gespült werden.