Unterwegs im Koreanischen
Unterwegs im Koreanischen

The Scandal

Ich hatte mich ja schon auf diese Neuadaption von Gefährliche Liebschaften in der Joseon-Ära gefreut. Hatte gedacht, bei dem Casting kann das nur ein KDrama für die Hall of Fame werden. Hm, war die Erwartung vielleicht zu hoch? Nun ich denke, es lag nicht nur daran. Das KDrama „The Scandal“  bei Netflix präsentiert sich leider visuell aufgebläht, erzählerisch verhunzt und stellenweise unnötig überinszeniert. Was Netflix und der Regisseur hier abliefern, ist am Ende eine schmerzhafte Enttäuschung: Eine an sich tolle Story wird komplett verzettelt und verschenkt.

 

Fangen wir mit dem an, was konsequent und gelungen ist: Die Einbindung der Pansori-Musik, der historischen Instrumente und generell der gesamte Soundtrack. Das war vielleicht die beste Entscheidung dieser Produktion. Die Musik vermittelt der Serie einen ganz eigenen, unverkennbaren Touch und trägt die Atmosphäre da, wo das Drehbuch versagt. Darüber klingen einige Szenen tatsächlich auch noch nach.

 

Aber dann geht die Kritik auch schon los.


Ich liebe historische Authentizität und eine atmosphärische Ästhetik eigentlich sehr – aber bitte nicht als Selbstzweck! In The Scandal drängt sich die Joseon-Kultur stellenweise viel zu aufdringlich in den Vordergrund. Auf mich wirkte die Inszenierung stellenweise ziemlich selbstverliebt.


Das Ganze verkommt fast zu einem Kulturdumping. Es wird manchmal so übertrieben, als wäre das Produktionsteam dafür bezahlt worden. Statt der üblichen Product-Placements für Kaffeewachmacher, Katergetränke und Luxusuhren heißt es hier in Dauerschleife: „Schau mal Joseon hier! Schau mal Joseon da! So toll!“. Seidenraupen usw. – ja, das ist mal was… aber dann auch noch Tabak und Papierproduktion? Schon schön, aber… Und dann auch noch Königspalast, ein bisschen Kronprinz Sado Drama im Erinnerungsfahrwasser und Bau von Hwaseong? Hm. Selbst für meine Leidenschaft für Geschichte ein bisschen viel auf einmal… ohne Not, was die Story selbst bestrifft…

 

Das vielleicht größte Ärgernis und zugleich der absurdeste Fremdkörper: Die stellenweise fast plumpe sexuelle Explizitheit, die fast am Rande der Pornographie entlangplätschert. Ja, „plätschert“, denn da ist nichts dahinter. Keine Storydrive, keine Erotik, keine Sinnlichkeit (bis auf vielleicht eine klitzekleine Ausnahme). Das passt – finde ich – überhaupt nicht in das ästhetisch formal geradezu streng perfektionistische Gesamtgefüge …und macht genau das kaputt, was die Schauspieler*innen zuvor mit subtilen Mitteln an psychologischer Spannung meisterhaft aufgebaut haben. Was hat sich der Regisseur (oder wer auch immer) dabei gedacht? Was soll daran der Gewinn sein?
(Zum Glück gibt es Fastforward…)

 

Außerdem: Durch diese ständige Verlagerung der Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten verliert die eigentliche Story deutlich an Intensität. Dazu kommt: Die Geschichte wird unnötig kryptisch erzählt. Nur weil die Story bekannt ist, muss man sie doch nicht absichtlich kompliziert und verschachtelt aufbereiten! Spannende Szenen werden fast systematisch ausgebremst. Der Flow und die Spannung werden durch ungeschickte Rückblenden und fehlplatzierte Details so manches Mal unnötig zerrissen.
 

Ohne die Schauspieler*innen, ihre Ausstrahlung und Leistung, mit manchmal minimalster Mimike und Gestik zu erzählen, was ohne Worte auskommen muss, hätte ich nicht viel gespult, sondern gleich abgeschaltet. Es ist allein ihr Verdienst, dass sie innerhalb dieses formal aufgeblähten, statischen ästhetischen Korsetts überhaupt noch Nuancen für komplizierte Dynamik, ein Gefühl für in Gesellschaft gefangene Persönlichkeit und emotionale Konflikte herausgearbeitet haben.

 

Ich finde, „The Scandal“ erstickt an der eigenen visuellen Eitelkeit und den deplatzierten Schauwerten. Ein Jammer um die großartige Besetzung. Schade. Für mich die bislang größte Enttäuschung 2026.

 

 

 

 

 

 

 


 

Ein dringender Appell am Rande: Bitte NUR im Original schauen!

Das gilt für netflix-synchronisierte KDramen generell: Schaut es euch bitte im Original mit Untertiteln an. Deutscher Sound geht hier gar nicht – da spart man sich lieber die Lebenszeit.

Die koreanische Sprache ist so fundamental anders als die deutsche; sie einfach nur rein in der Sache zu übersetzen, wird dem Sinn, dem was über reine Wortbedeutung hinaus transportiert wird, nicht gerecht. Da stecken zu viele Nuancen in den gewählten Beziehungsebenen drin, die wir im Deutsche so gar nicht haben und die in der Synchronisation einfach verloren gehen.

Zudem fehlt „uns“ im Westen inzwischen die Erfahrung, in extrem strengen, jahrhundertealten Hierarchien aufgewachsen zu sein. Die enorme emotionale Kontrolle, die die Charaktere in gewissen Situationen aufbringen (müssen), können wir selten so nachempfinden. Wenn diese mühsam kontrollierte Zurückhaltung im Deutschen dann (noch nicht mal gespielt, sondern beim Vorlesen im Studio) dann als gelangweilte oder emotionslose Gleichgültigkeit interpretiert wird, ist die ganze Szene kaputt.

Auch die pathetischen Momente passen einfach nicht in die deutsche Kultur – beim reinen Ablesen verkommt das ganz schnell zum billigen Komödienstadl.

Vom Originalausdruck der Schauspieler*innen nimmt man gerade im Koreanischen so viel mehr mit, als eine rein sprachliche deutsche Synchronisierung jemals bieten kann. Außerdem sind die Untertitel oft deutlich besser, weil sie nicht auch noch krampfhaft darauf achten müssen, auf die visuelle Sprachrhythmik und die Lippenbewegungen zu passen.

Also, hier wie bei sämtlichen anderen (auch richtig tollen) südkoreanischen Netflix-Produktionen: Originalsprache: Check! Deutsche Untertitel: Check! Es lohnt sich!

스캔들 - Seu-kaen-deul

Lit.: Skandal

 

2026, 8 Episoden

 

Hauptdarstller*innen:

- Son Ye-jin

- Ji Chang-wook

- Nana

 

Plot:

Die hochintelligente Cho-yun leidet unter den starren gesellschaftlichen Fesseln der Joseon-Dynastie. Ihre Ehe ist kinderlos. Die junge Konkubine So-ok bringt das fragile Gleichgewicht ins Wanken und reißt alte Wunden in Cho-yun auf.

Sie bittet ihre Cousin um Hilfe, zu dem sie eine tiefe Verbundenheit aus Kindheitstagen verspürt.  


Aus dem Unvermögen, ihren aufrichtigen Gefühlen Raum zu geben, entsteht eine Wette, die als gefährliches Ventil dienen soll, um der eigenen inneren Leere und den gesellschaftlichen Zwängen zu entfliehen. 

 

Doch das manipulative Spiel inmitten der feinen Gesellschaft entwickelt eine Eigendynamik, mit der niemand rechnen konnte. Es entspinnt sich ein Netz aus komplizierten echten Gefühlen, verbotenem Begehren und emotionaler Zerstörung.

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