Unterwegs im Koreanischen
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KDrama nach Themen: Beispiele für KMovie

Pa-gwa: The Old Woman with the Knife

Wenn Actionhelden alt werden – was bleibt? Im Fall von Pa-gwa: KEIN spätes Rachedrama. Ein Anti-Mythos. Im KMovie Pa-gwa wird das Actiongenre grundsätzlich infrage gestellt. 

 

Der Titel Pa-gwa (파과) ist ein Wortspiel. Es bezeichnet im Koreanischen einerseits eine beschädigte Frucht, die nicht mehr für den Verkauf taugt, andererseits steht es historisch für das Alter (16 Jahre bei Frauen, 64 Jahre bei Männern), in dem die „Blütezeit“ endet.

 

Im Mittelpunkt steht eine in Präsenz und Minimalismus herausragende Lee Hye-young als Hornclaw. Viele loben sie als „starke Frau“, aber ihre wahre Kraft liegt darin, dass sie übersehen wird. Hornclaw ist nicht als Superheldin stilisiert, sondern als eine Frau, die eher am Rand des Bilds steht und selten frontal heroisiert wird. Eine Figur, die zunehmend unsichtbar wird – sozial, körperlich, filmisch.

 

Der Film versteht diese Unsichtbarkeit nicht als Defizit, sondern als gesellschaftliche Realität. Eine alte Frau, die übersehen ignoriert und unterschätzt wird – das macht sie gefährlich. Die Botschaft: Eine Gesellschaft, die ältere Frauen ignoriert, schafft sich selbst ernstzunehmende Gegnerinnen.

 

Der Film bricht konsequent mit Action-Klischees: Es gibt keine coolen Waffen oder heldenhaften Kampfszenen. Die Kämpfe sind anstrengend, oft unschön und voller Fehler. Gewalt ist hier kein Spektakel, sondern erinnert an vergangene Zeiten und Schmerzen. Das wirkt lebensechter und weniger geschönt, als wir es aus anderen Filmen kennen.

 

Auch die Erzählweise ist ungewöhnlich: Die Geschichte bleibt oft offen und unvollständig, es gibt keine einfachen Erklärungen oder klaren Urteile. Der Film ordnet Gewalt, Altern und Schuld nicht – er hält sie aus. Auch das fühlt sich ehrlicher an, weil auch das echte Leben nicht immer logisch oder abgeschlossen ist.

 

Doch was das KMovie Pa-gwa in meinen Augen so besonders macht, ist seine Zärtlichkeit. Der Film nimmt sich Zeit für stille Momente und zeigt das Alltägliche achtsam, unsentimental – ganz ohne „cool“ sein zu wollen. Das macht ihn für mich besonders stark und menschlich.

 

Pa-gwa erzählt davon, wie es ist, wenn Actionfiguren älter werden und ihre Kämpfe nicht mehr so leicht gewinnen. Und ja: Lee Hye-young ist der Grund, warum dieser Film noch lange nachwirkt. 

 

Prädikat: besonders wertvoll.

 

 

 

Ps:
Das KMovie Pa-gwa (Regie: Min Kyu-dong) basiert auf dem gefeierten Roman von Gu Byeong-mo.

파과 - Pa-gwa

Lit.: Bruchfrucht (metaphorisch für eine Frucht, die ihre beste Zeit hinter sich hat oder beschädigt ist)

International: The Old Woman with a Knife

 

2025, 115 Minuten

 

Hauptdarsteller*innen: 
- Lee Hye-young 

- Kim Sung-Cheol

- Yeon Woo-Jin

- Kim Moo-Yul

- Kim Kang-Woo

- Shin Shi-A

 

Plot:

Die 65-jährige Lee So-myeong, in der Unterwelt nur unter ihrem Decknamen Hornclaw bekannt, ist eine hocheffiziente Auftragsmörderin. Seit Jahrzehnten führt sie „Säuberungen“ durch, ohne Fragen zu stellen.
 
Doch Hornclaw ist müde geworden. In einer Branche, die keine Gnade für das Altern kennt, spürt sie, wie ihre Reflexe nachlassen und ihr Körper die Spuren zahlloser Kämpfe nicht mehr abschütteln kann.
 
Anstatt eines heroischen Ruhestands sieht sie sich mit einer doppelten Bedrohung konfrontiert: Zum einen ist da der junge, rücksichtslose Killer Bullfight, der Hornclaws Legende demontieren will und ihre Methoden als veraltet verspottet. Zum anderen bricht eine ungewohnte Empathie in ihr geordnetes Leben ein, als sie sich mit einem Arzt und dessen Familie anfreundet.
 
Hornclaw muss erkennen, dass ihre größte Gefahr nicht der Tod ist, sondern die plötzlich aufkeimende Sorge um andere Menschen – eine Schwäche, die in ihrer Welt tödlich enden kann. Der Film folgt ihrem mühsamen Versuch, in einer Welt, die sie bereits abgeschrieben hat, einen letzten Rest von Autonomie zu bewahren.
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